Crowdpublishing auf der Buchmesse und ringsherum

AK bei der Kraut-Publishers-Präsentation, © Kars­ten Wenzlaff

Die Kraut-Publishers-Präsentation beim Buchmesse-Twittwoch war nicht das ein­zige Crowdfunding-Event auf der Buchmesse.

Auf der­sel­ben Ver­an­stal­tung stell­ten Jana Kühn und ihre Kol­le­gin Steffi vom Ver­lag ONKEL & ONKEL ihr Crowdfunding-Projekt „Ger­man Rodeo“ vor, das vor­zei­tig abge­bro­chen wurde, als sich abzeich­nete, dass es seine Ziel­summe (10.000 €) bei wei­tem ver­feh­len würde. Mich hat die­ser Vor­trag sehr beein­druckt, weil die bei­den mit die­sem „Miss­er­folg“ sou­ve­rän umge­hen und aus ihm zu ler­nen ver­su­chen. So etwas bringt allen Betei­lig­ten mehr als die übli­chen Jubel­arien. Das Fazit ent­sprach haar­ge­nau dem, was ich im Juni 2011 in mei­nem Crowdfunding-Artikel im Bör­sen­blatt geschrie­ben habe:

… was hät­ten wir von einem tol­len Buch, das kaum jemand lesen will? … Zustande kom­men also nur sol­che Pro­jekte, für die sich genug Inter­es­sen­ten fin­den; alle ande­ren Vor­ha­ben wer­den recht­zei­tig beer­digt. Ein frü­her Buch­tod ist auch nicht schmerz­li­cher als der Anblick über­quel­len­der Lager und Alt­pa­pier­con­tai­ner; er ist ökolo­gisch sinn­vol­ler, schont die Ner­ven aller Betei­lig­ten und den Geld­beu­tel des Verlegers.

Jana Kühn erklärte, dass das Schei­tern der Kam­pa­gne den Ver­lag davor bewahrt hat, sehr viel Geld in ein wun­der­schö­nes Pro­jekt zu ver­sen­ken, das lei­der keine hin­rei­chend große Ziel­gruppe hat, da sich deut­sche Rodeo-Fans kaum für Bücher inter­es­sie­ren. Genau so ist es: Erfolg­rei­ches Ver­le­gen besteht nicht zum gerings­ten Teil aus der Ent­schei­dung, gewisse Bücher nicht zu machen − oder zumin­dest nicht so wie ursprüng­lich geplant. Chapeau!  

Am Mes­se­frei­tag saß ich mit Leo­nard Novy vom IfM, Kars­ten Wenz­laff vom iko­som und Det­lef Bluhm (Autor und Geschäfts­füh­rer des Börsenverein-Landesverbands Berlin-Brandenburg) auf einem Podium des Thü­rin­ger Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­ums, um über das Thema „Zwi­schen Hype und Hoff­nung: Crowd­fun­ding und Medi­en­pro­duk­tion“ zu reden – eine gelun­gene, gut besuchte Ver­an­stal­tung mit einem leb­haft mit­dis­ku­tie­ren­den und nach­fra­gen­den Publikum:

© André Störr

Zu wei­te­ren Crowdfunding-Veranstaltungen auf der Buch­messe, z. B. im Rah­men des StoryDrive-Festivals, kann ich nichts sagen, da ich nicht teil­ge­nom­men habe. Das Thema kommt jeden­falls all­mäh­lich in der Bran­che an.

Vor und nach der Messe flammte auch das Medi­en­in­ter­esse auf. Ein kurz­fris­tig anbe­raum­tes Tele­fon­in­ter­view mit Sebas­tian Schö­bel vom rbb Info­ra­dio mün­dete in ein recht gutes Radio­fea­ture mit O-Ton-Einspielern von Ans­gar War­ner und mir ein. Der Bei­trag war einige Tage lang auf der Web­site des Sen­ders nach­zu­hö­ren und als Tran­skript nach­zu­le­sen, wurde dann aber depu­bli­ziert. Das ist schade, da Schö­bel sich gut infor­miert hatte und vor­ur­teils­frei über den Trend berich­tete, ohne in die übli­chen Fal­len zu tap­pen (z. B. die Gleich­set­zung mit „Bet­te­lei“ oder „Spenden“).

FAZ-Buchmessezeitung: schwer iro­nisch, irgend­wie teutonisch

Ein wei­te­res Tele­fo­nat mit Chris­tian Metz von der FAZ-Buchmessezeitung ging in einen Arti­kel mit dem etwas bemüh­ten Titel Blau­crowd bleibt Blowkraut ein, der vom Stil her ins Kon­zept der Buch­mes­se­zei­tung passte, abso­lut alles und alle ironisch-distanziert zu betrach­ten. Metz kommt zu dem Schluss, dass Crowd­fun­ding auch auf der nächs­ten Buch­messe Gesprächs­thema sein wird.

Nach der Messe kon­tak­tierte mich Klaus-Martin Meyer, der in sei­nem Crowdfunding-Blog Crowd­street zahl­rei­che Inter­views mit Grün­dern und ande­ren Akteu­ren aus der Crowd­fun­ding– und Crowdinvesting-Szene ver­öf­fent­licht. Heute wur­den dort die Kraut Publis­hers vor­ge­stellt.

Über Andrea Kamphuis

Ich bin 1966 geboren, habe Biologie studiert und lebe als Autorin, Übersetzerin und Lektorin in Köln. Bis Mai 2008 war ich drei Jahre erste Vorsitzende des Verbands der freien Lektorinnen und Lektoren (VFLL), den ich mit gegründet habe. Zur Zeit schreibe ich ein Sachbuch über Autoimmunerkrankungen, das ich z. T. mit einer Crowdfunding-Kampagne finanziert habe. Ich gehöre dem Aktionsbündnis "Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft" und dem "D64 - Zentrums für Digitalen Fortschritt" an.
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Eine Antwort auf Crowdpublishing auf der Buchmesse und ringsherum

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