Als ich von der ersten Veröffentlichung des neuen iRights-Media-Verlags hörte, war ich skeptisch: Themen wie Netzpolitik, Urheberrecht, Datenschutz und Open Data erschienen mir zu dynamisch, um sie in einem Jahresrückblick zu behandeln. Ist ACTA nicht Schnee von gestern? Wer will heute noch einmal nachlesen, was Sven Regener in seinem Rant verzapft hat? Fehlt da nicht der Blick nach vorn?
Doch jetzt, da ich das 142 Seiten dicke Heft im Haus habe, ertappe ich mich dabei, es wirklich von vorne bis hinten zu lesen und es sogar in der Straßenbahn oder im Bus der Twitter– oder Facebook-Lektüre vorzuziehen. Das liegt zum einen an der klaren, modernen Gestaltung, an den ganzseitigen, die abstrakten Themen spielerisch konkretisierenden Fotos (viele von Mario Sixtus) , an den übersichtlichen Monatskalendarien, den Cartoons von Ahoi Polloi und den großflächigen Infografiken: Man blättert einfach gern in diesem Heft.
Zum anderen haben auch die Texte das nötige Gewicht. Die Autoren (darunter Philipp Otto, Matthias Spielkamp, Valie Djordjevic, Torsten Kleinz und David Pachali) können schreiben, sie verlieren sich nicht in Fachjargon; die Mischung aus Essays und Interviews stimmt, und ich stelle zu meiner Überraschung fest, dass der Blick nach vorn in praktisch alle Texte integriert ist: Die wenigsten Netzthemen, die uns 2012 beschäftigt haben, sind in irgendeinem Sinne als abgeschlossen oder abgehakt zu betrachten.
Print wirkt, zumindest bei mir: Im Heft lasse ich mich auch auf Themen wie die Archivierung digitaler Medien ein, die online im Lauf des letzten Jahres an mir vorübergegangen sind, weil sie mich nicht unmittelbar tangierten. Beeindruckend, was das jüngste Kind der iRights-Familie da zustande gebracht hat.
Als nächstes nehme ich mir das „Jahrbuch Netzpolitik 2012″ von netzpolitik.org vor — ein naheliegender Vergleich. Allerdings liegt mir dieses Jahrbuch nur als PDF vor, und es ist unbebildert und insgesamt einfacher gestaltet. Nach dem optischen und haptischen Erlebnis „Das Netz 2012″ wird es bei mir vermutlich einen schweren Stand haben. Aber wer weiß, vielleicht irre ich mich gleich noch einmal?






